Montag, 27. Dezember 2010
Das Ende der Freiheit
"Sing doch was!" sagt er ganz klar und deutlich und gar nicht genervt, obwohl es doch erst vier Uhr morgens, also quasi noch mitten in der Nacht, ist. Mitten in der Nacht und trotzdem ist sie hellwach, weil er da ist. Sie will sich jetzt unterhalten, weil sie das Gefühl hat, dass sie die Zeit, bis sie sich wieder trennen und ihre Wege weiter gehen werden, nutzen müssen. Zwei Wege, die parallel verlaufen und sich ab und an kreuzen, weil da etwas ist, das sie einander nicht loslassen lässt. Und trotzdem bleibt es unklar, was sie füreinander empfinden. Da sind so viele Fragen, die unbeantwortet bleiben, weil keiner von beiden sie stellt. Sie spielen ein Spiel, bei dem niemand die erste Karte auf den Tisch legt, aus Angst davor, dass der andere nicht mitspielen will, sondern einfach aufstehen und gehen wird. Und man selbst würde allein zurück bleiben...verlassen, beschämt, entwürdigt und zutiefst verletzt...Also schweigen sie und genießen den Augenblick. Und das Gefühl, eine Beziehung miteinander zu haben. Dieses böse Wort, das sie einvernehmlich mit Langeweile, Eingeengtsein und dem Ende der Freiheit und, was noch schlimmer und existenziell bedrohlich ist, dem Ende ihrer Kunst verbinden. Es geht zwischen ihnen nicht um Leidenschaft oder Körperlichkeit im allgemeinen, sondern, viel subtiler, darum, dass sie es tun würden, aber nicht wollen, weil sie eigentlich nicht können, dies wissen und es daher gar nicht erst versuchen!
Labels:
Lebens-Geschichten
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